Staatstheater Meiningen
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Bildende Kunst auf der Opernbühne Achim Freyer inszeniert „Don Carlos“, Tony Cragg entwirft den Bühnenraum für „Castor et Pollux“

© Christina Iberl

Bereits im ersten Jahr seiner Meininger Intendanz überraschte Jens Neundorff von Enzberg das Publikum mit zwei Produktionen, die bildende Künstler inszenierten: Markus Lüpertz’ „Bohème“ und Achim Freyers „Zauberflöte“. In der kommenden Spielzeit widmet sich Freyer Verdis „Don Carlos“ – auf Französisch! Und der für seine Skulpturen berühmte Tony Cragg gestaltet die Bühne für Jean-Philippe Rameaus „Castor et Pollux“

Giuseppe Verdi: „Don Carlos“

Achim Freyer ist einer der renommiertesten deutschen Regisseure und ein bedeutender bildender Künstler, der seine Inszenierungen mit bildgewaltiger Opulenz ausstattet. Dieser Multikünstler bringt Verdis Monumentalwerk „Don Carlos“ auf die Meininger Bühne, das nach 1976 erstmals wieder am Staatstheater Meiningen zu erleben ist. Verdis „Don Carlos“ entsteht 1865 bis 1867 für die Pariser Oper. Der Verleger Léon Escudier besucht den Komponisten im Sommer 1865 im italienischen Busseto und unterbreitet ihm drei Vorschläge von Émile Perrin, Operndirektor der französischen Hauptstadt: „Kleopatra“, „King Lear“ und „Don Carlos“. Verdi entscheidet sich für „Don Carlos“. Joseph Méry und Camille du Locle liefern das Libretto nach dem politisch-privaten Drama Friedrich Schillers, dessen Vorlage in Bauerbach unweit von Meiningen begonnen wurde. Es ist nach „Johanna von Orléans“, „Die Räuber“ und „Kabale und Liebe“ das vierte Bühnenstück des Dichters, das Verdi veropert. In der Oper sollen zunächst der spanische Kronprinz Don Carlos und die französische Prinzessin Elisabeth um des Friedens zwischen Spanien und Frankreich willen heiraten. Bei ihrem ersten Zusammentreffen verlieben sie sich augenblicklich. Wie ein Schlag trifft sie die Nachricht, dass nun König Philippe Elisabeth zur Frau nehmen soll. Pflichtschuldig willigt sie ein. Für Carlos scheint es nur zwei Möglichkeiten zu geben, der unerträglichen Lage zu entkommen: als Statthalter ins spanischbesetzte Flandern zu gehen und Elisabeth zu vergessen oder seinen Vater zu ermorden.
Die Grand opéra „Don Carlos“ besticht durch große Chor-Tableaus, emotionsgeladene Arien und Ensembles. Dies verlangt den Interpreten der Uraufführung am 11. März 1867 allerdings eine extreme Leistung ab, derer sie kaum fähig sind. Auch das Publikum ist überfordert und die Presse unzufrieden. Nach etlichen Überarbeitungen wird das Werk dennoch zu einem Klassiker der Opernliteratur. Es lassen sich vier Fassungen unterscheiden. Meist wird die vieraktige Mailänder Version von 1884 oder die fünfaktige Modena-Version von 1886 gespielt; oft in der italienischen Übersetzung, aber immer wieder auch auf Französisch. In Meiningen wird die Oper auf Französisch in der letzten revidierten Fassung und fünfaktig zu erleben sein – sie eröffnet die Spielzeit 2024/2025.

Premiere: FR, 06.09.2024, 19.00 Uhr – Großes Haus

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Jean-Philippe Rameau: „Castor et Pollux“

Die übermenschlich großen, aber auch filigranen Säulen des berühmten Künstlers Tony Cragg sind wie geschaffen für JeanPhilippe Rameaus Oper „Castor et Pollux“, die zum ersten Mal in Meiningen zu sehen ist. In diesem barocken Werk muss sich Pollux, Sohn Jupiters, entscheiden, unsterblich zu bleiben oder aus selbstloser Liebe seinen verstorbenen, menschlichen Halbbruder Castor aus der Unterwelt zu befreien und dessen Platz im Totenreich einzunehmen. Mal stellen die Skulpturen Craggs im Bühnenbild antike Tempel dar, mal – in ein anderes Licht getaucht – die Tore und das unwegsame Gelände des Hades.
Jean-Philippe Rameau geht als musikalischer Vorreiter in die französische Barockgeschichte ein. Damals zugleich geschätzt und umstritten, wird er heute auf eine Stufe mit Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel gestellt. Bis er sich allerdings im Bereich der Tragédie lyrique behaupten kann, beansprucht Jean-Baptiste Lully das Pariser Opernmonopol für sich. Die Strahlkraft von Rameaus Opéra-ballets und Tragédies lyriques zeichnet sich bereits in frühen Kompositionen ab. 1733 schreibt er im Alter von bereits 50 Jahren seine erste Oper „Hippolyte et Aricie“ – ein großer Erfolg! Mit „Castor et Pollux“ bringt er vier Jahre später, am 24. Oktober 1737, an der Académie royale de musique in Paris eine seiner beliebtesten Opern überhaupt heraus. Seine kompositorischen Neuerungen, der fließende Wechsel zwischen Rezitativ und Arie, kontrastreiche Instrumentierung und Harmonien sorgen sowohl für „choc“ als auch für Begeisterung. Zur Wiederaufnahme in Paris 1754 überarbeitet Rameau „Castor et Pollux“ enorm und stellt den Streit um die Frau, die beide Männer lieben, in den Vordergrund. Die bereits 2002 am Theater Bonn erprobte, reduzierte Fassung, die Jens Neundorff von Enzberg erstellt hat, fokussiert wieder auf die Bruderliebe, die Selbstlosigkeit des göttlichen Pollux und stellt die schönsten musikalischen Momente heraus. An dieser Fassung orientiert sich auch die Inszenierung in Meiningen.

Premiere: FR, 21.02.2025, 19.30 Uhr – Großes Haus

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Julia Terwald, Musiktheaterdramaturgin