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Björn SC Deigners „Waldstück“ als Schauspiel-Uraufführung

Über kaum eine andere Landschaft wurde so oft und so viel gedichtet und gesungen wie über den Wald. Björn SC Deigner macht ihn jetzt in seiner Uraufführung „Waldstück“ zur ebenso unheimlichen wie skurrilen Hauptfigur.

Vom römischen Historiker Tacitus im 1. Jahrhundert nach Christus als grauenerregend beschrieben, im 19. Jahrhundert von den Poeten der Romantik als identitätsstiftender Symbolort fernab der Zivilisation wiederentdeckt, durch die Grimmschen Hausmärchen in Millionen von Kinderzimmer verpflanzt, heute vor allem beliebtes Ausflugs- und Wanderziel: der Wald. Dabei gibt es diesen Ort in seiner Ursprünglichkeit heute fast nicht mehr, er ist dem Forst gewichen, die Bepflanzung ist wirtschaftlichen Gesichtspunkten unterworfen. Und doch: kaum eine andere Landschaft fasziniert und irritiert so sehr wie der Wald.

So auch die Figuren, die sich in „Waldstück“ aus den verschiedensten Gründen in ein nicht zu fernes Waldstück begeben: ein Paar sehnt sich nach ein paar romantischen Stunden fernab der hektischen Zivilisation und kommt vom Weg ab; ein Förster gerät in eine gefährliche Auseinandersetzung mit einem modernen Druiden mit äußerst fragwürdigen Ansichten; eine junge Geschäftsfrau plant die Abholzung des geerbten Waldstücks als Abrechnung mit ihrem verstorbenen Vater und eine junge Aktivistin, die sich gegen die Rodung stellen möchte, begegnet einer sprachlosen, umherirrenden Gestalt. Als dann auch noch ein Hexenhäuschen samt Hexe, eine sprechende Buche und zwei elternlose Kinder, die einer Spur aus Brotkrumen folgen, auftauchen, wird deutlich, dass unter den Baumkronen ganz eigene Regeln gelten. Und eins ist sicher: Keine der Personen wird nach diesem Ausflug mehr dieselbe sein.

Kunstvoll verwebt Björn SC Deigner, der mit seinen Texten bereits zu den Autorentheatertagen in Berlin und dem Heidelberger Stückemarkt eingeladen war, die verschiedenen Erzählstränge, lässt seine Figuren im Wald aufeinandertreffen, verlorengehen und sich dabei selbst begegnen. Märchenhaftes dringt immer mehr in die Realität ein, bekannt und zauberhaft zugleich erscheint das Dickicht, das die Figuren um- und verschlingt.

Lustvoll und mit großem Humor spielt er mit den Mythen und der Geschichte des deutschen Waldes, stellt allgemeine Vorstellungen über bewaldetes Gebiet auf den Kopf und befragt dabei auf hintersinnige Weise unsere Beziehung zu diesem „Sehnsuchtsort“. Und wenn der Wald erst einmal zu sprechen beginnt, wird aus der ersehnten Waldesruh ein lautes Toben und von Waldeinsamkeit kann bei dem ganzen Trubel schnell nicht mehr die Rede sein.

Die Regie bei diesem Auftragswerk übernimmt Schirin Khodadadian, die mit ihren Uraufführungsinszenierungen bereits zu den Autorentheatertagen Berlin und den Mülheimer Theatertagen eingeladen war. Gemeinsam mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Carolin Mittler und Johannes Winde, der sich für den Sound und die musikalische Einstudierung verantwortlich zeichnet, bringt sie das „Waldstück“ mit fünf Schauspieler:innen in 14 (!) Rollen in den Kammerspielen auf die Bühne.
Seien Sie gewiss: Nach diesem Ausflug werden Sie den Wald mit anderen Augen sehen!

Cornelius Edlefsen, Schauspieldramaturg


„Waldstück“ von Björn SC Deigner
Uraufführung
Premieren: SA, 09.04., 19.30 Uhr
Weitere Termine: 12.04., 22.04., 08.05., 14.05., 28.05., 16.06., 06.07., 14.07. - Kammerspiele

 

Foto: Niklas Vogt

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