Staatstheater Meiningen
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»Maria Stuart« Duell der Königinnen ab 20.1.2023 im Großen Haus

Es fällt schwer, dem im Jahr 1800 am Weimarer Hoftheater uraufgeführten Stück mit nur einer Bezeichnung gerecht zu werden. Denn was Friedrich Schiller anhand des Konflikts zwischen Maria Stuart und Elisabeth I. verhandelt, ist so vielschichtig und modern, wie es nur ein Stück des großen „Nationaldichters“ sein kann.

Bereits neunzehn Jahre wird Maria Stuart, Königin von Schottland, in England gefangen gehalten. Nach ihrer Flucht aus Schottland hatte sie sich hier politisches Asyl erhofft, wurde jedoch aufgrund ihrer legitimen Ansprüche auf den englischen Thron von ihrer Cousine, der Königin Elisabeth I., inhaftiert. Nach einem fingierten Gerichtsprozess wartet sie nun auf die Vollstreckung des Todesurteils – alles, was dazu noch fehlt ist die Unterschrift Elisabeths. Mortimer, ein junger Fanatiker, der auf Reisen in Frankreich der Religion seines Heimatlandes, dem Protestantismus, abgeschworen und Katholik geworden ist, verspricht Maria durch eine Befreiungsaktion die Rettung.
Im Staatsrat um Elisabeth I. gibt es unterschiedliche Auffassungen, was mit der Gefangenen geschehen soll: Graf von Burleigh möchte den Kopf Marias lieber heute als morgen auf dem Schafott fallen sehen, Lord Shrewsbury drängt auf Nachsicht, könne ein Todesurteil dem Ansehen der Königin doch mehr schaden als nützen. Und Graf von Leicester spielt ein doppeltes Spiel: Während er im Prozess für die Hinrichtung der Stuart plädiert, zeigt er sich im Staatsrat als ihr Verteidiger. Ein Zusammentreffen der beiden Königinnen soll Elisabeth zu einem Gnadenakt bewegen, doch die Szene gerät zum offenen Schlagabtausch. Marias Schicksal ist besiegelt, und sie endet auf dem Schafott.
Zwei Frauen, die die Weltpolitik maßgeblich beeinflusst haben, die durch ihre Verwandtschaftsverhältnisse untrennbar miteinander verbunden und im Spannungsfeld von öffentlicher Repräsentation und Privatheit gefangen sind, stellt Schiller ins Zentrum seines Trauerspiels. Anhand der zwei Königinnen wirft er einen Blick auf ein politisches System, in dem die Herrschenden mehr Gefangene sind als Handelnde. Während Maria Stuart wie einer Terroristin behandelt wird, sieht Elisabeth sich den Forderungen ihres Staatsrates – allesamt Männer – und den Ansprüchen ihres Volkes ausgesetzt. Sie kann nur als dem Staat Dienende agieren, nicht nach ihrem persönlichen Antrieb. Schiller lässt hinter die Kulissen der Macht blicken, erzählt von Machtmissbrauch und Intrigen, von der Unvereinbarkeit von Moral, Macht und Menschlichkeit am Schicksal des Individuums.
Mit „Maria Stuart“ setzt Schauspieldirektor Frank Behnke seine Auseinandersetzung mit dem Werk Friedrich Schillers fort. In seiner Regie werden Larissa Aimée Breidbach als Maria Stuart und Anja Lenßen als Elisabeth I. aufeinandertreffen – großes Schauspiel im Großen Haus des Staatstheaters Meiningen.
Bei der Matinee am 08. Januar 2023 im Theatermuseum mit anschließendem Jahresempfang der Meininger Museen, haben Sie die Möglichkeit, mit dem Regie-Team und Mitgliedern des Ensembles ins Gespräch zu kommen und erste Eindrücke zur Inszenierung zu erhalten.

Cornelius B. Edlefsen, Schauspieldramaturg


„Maria Stuart“
Trauerspiel von Friedrich Schiller
Regie: Frank Behnke · Bühne, Kostüme, Video: Michael Lindner · Musik: Matthias Schubert · Dramaturgie: Cornelius B. Edlefsen · Mit: Larissa Aimée Breidbach, Pauline Gloger, Anja Lenßen; Marcus Chiwaeze, Yannick Fischer, Leo Goldberg, Lukas Umlauft, Stefan Willi Wang
Premieren: FR, 20.01., 19.30 Uhr + SO, 22.01., 18.00 Uhr
Termine: 26.01., 04.02., 25.02., 03.03., 08.03., 12.03., 09.04., 20.05.2023 – Großes Haus

Tickets unter Tel. 03693-451 222 oder direkt hier