Staatstheater Meiningen
Menü Tickets

Tiden har kommet: „Gespenster“

© Christina Iberl

Erleben Sie Henrik Ibsens einst skandalösen Dramenstoff als Opern-Uraufführung

Dass in Meiningen einer Helene eine große Bühne bereitet wird, das steht sozusagen in bester herzöglicher Theater-Tradition! Diesmal bringen wir sogar zwei Helenen auf die Bühne – die alte und die junge Helene Alving aus Henrik Ibsens „Gespenster“. Ein Stück, das getrost auch „Helene Alving“ heißen könnte, zumindest in der Fassung, die wir Ihnen ab dem 23. Februar als Opern-Uraufführung präsentieren. Sara-Maria Saalmann und Marianne Schechtel spielen die Frau, deren Leben aus Geheimnissen, Grausamkeiten und Hass besteht – verborgen hinter einer perfekten Familienfassade.

Es war diese Lebensgeschichte voller Tabubrüche – Affären, Syphilis, Suizid – die Ibsens Gesellschaftsdrama im späten 19. Jahrhundert zu einer Unmöglichkeit auf den deutschen Theaterbühnen gemacht hat. Vielleicht hätte „Gespenster“ noch Jahre auf seine deutschsprachige Erstaufführung warten müssen, wäre da nicht ein kleines Herzogtum mit seinem theaterbegeisterten Herzog und seiner Schauspielerin-Gattin Helene gewesen. Georg II. hatte Norwegen als junger Mann bereist und zu den Intellektuellen des Landes Freundschaften aufgebaut. Bande, die auf Lebenszeit geknüpft waren. Besonders bedeutsam wird sein
Kontakt zum Dramatiker Henrik Ibsen, dessen Werke er in seinen Inszenierungen in Meiningen und auf den berühmten Gastspielreisen der Meininger zeigen lässt – ein Grundstein für Ibsens späteren Welterfolg. Kurz vor dem Weihnachtsfest des Jahres 1886 bringt Georg II. „Gespenster“ in seinem Hoftheater zur Premiere – mit Ibsen persönlich als Ehrengast. Da sich das Publikum ob des heiklen Stoffes gelinde gesagt
schwertut mit der Vorfreude auf dieses Bühnenereignis, verpflichtet er seinen Hofstaat kurzerhand zu Besuch und Applaus. In den folgenden Jahrzehnten avanciert die skandalträchtige Familiengeschichte der
Alvings auch ohne derartige Interventionen zu gefeierter Weltliteratur.
Fast 150 Jahre nach jener Meininger Pionierarbeit für Ibsen gibt es nun abermals ein Ibsen-Bühnenereignis im selben Hause: die Uraufführung einer Oper frei nach den „Gespenstern“, komponiert als Auftragswerk für das Staatstheater Meiningen vom norwegischen Komponisten Torstein Aagaard-Nilsen, mit einem Libretto seiner Landsfrau Malin Kjelsrud.
Eine Uraufführung mit Hindernissen. Diesmal nicht wegen eines unwilligen Publikums, sondern wegen einer Pandemie. Der für Mai 2020 angesetzte Premierentermin musste mehr als deutlich nach hinten verschoben werden. Nun ist es am 23. Februar 2024 soweit. Tiden har kommet – so könnte man auf Norwegisch sagen: Die Zeit ist gekommen.

Gesungen wird der Einakter mit Chor nicht auf Norwegisch, sondern auf Deutsch. Die Musik klingt atmosphärisch, fast impressionistisch, mal jazzig und lässt auch bei genauem Hinhören gar ein Wagner-Zitat erkennen. Die musikalische Leitung und die Regie übernehmen der frühere Generalmusikdirektor und der frühere Intendant des Hauses – Philippe Bach und Ansgar Haag. Eine Zusammenarbeit, die für „Gespenster“ schon im Frühjahr 2020 weit vorangeschritten war. Die engen Theaterbande zwischen Meiningen und Norwegen sind auch immer wieder Thema in den Meininger Mussen.
Und falls Sie übrigens bei Ihrem nächsten Meiningen-Besuch unweit des herzoglichen Schlosses eine „Nora“ entdecken sollten – das ist schon wieder ein neues Kapitel dieser meiningisch-norwegischen Ibsen-Geschichte …

Susann Höfner, Pressereferentin

Tickets

„Gespenster“
Uraufführung/Auftragswerk
Oper in einem Akt von Torstein Aagaard-Nilsen
frei nach Henrik Ibsen, Libretto Malin Kjelsrud

Musikalische Leitung: Philippe Bach · Regie: Ansgar Haag · Bühne: Dieter Richter · Kostüme: Kerstin Jacobssen · Dramaturgie: Julia Terwald · Chor: Roman David Rothenaicher · mit: Emma McNairy, Monika Reinhard, Sara-Maria Saalmann, Marianne Schechtel; Mikko Järviluoto, Alex Kim, Mykhailo Kushlyk, Shin Taniguchi · Chor des Staatstheaters Meiningen · Kinderstatisterie · Es spielt die Meininger Hofkapelle.

Premiere: FR, 23.02., 19.30 Uhr + SO, 25.02., 18.00 Uhr
weitere Termine: 01.03., 23.03., 07.04., 27.04., 15.05., 13.06. – Großes Haus
Einführungen: je 30 Min. vor Vorstellungsbeginn – Foyer Großes Haus
matinee: SO, 11.02., 11.15 Uhr – Foyer Großes Haus, Eintritt frei