Staatstheater Meiningen
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„Una cosa rara“: Markus Lüpertz entführt in die bunt-skurrile Welt von Martín y Solers Arkadien

Sara-Maria Saalmann in der Regensburger Inszenierung (c) Martrin Sigmund© MARTIN SIGMUND
Sara-Maria Saalmann in der Regensburger Inszenierung (c) Martrin Sigmund

Am 31. Mai ist es soweit: Die beliebteste Oper des Mozart-Zeitgenossen Vicente Martín y Soler, „Una cosa rara“, verspricht in Meiningen Eindrucksvolles. Als einer der bekanntesten und gleichzeitig umstrittensten Maler der heutigen Zeit sorgt Markus Lüpertz mit seiner Kunst stets für Gesprächsstoff. In den vergangenen beiden Spielzeiten war seine ganz eigene Interpretation der Künstleroper „La Bohème“ am Staatstheater zu erleben. Jetzt sorgt er mit der Ausstattung der Opern-Wiederentdeckung „Una cosa rara“ aus der Zeit der Wiener Klassik für Unterhaltung. Es ist ein Werk, das vor Lebensfreude und Komik nur so sprudelt. Das Opernspektakel „Una cosa rara“ war seinerzeit so berühmt, dass es bei der Uraufführung am 17. November 1786 augenblicklich Mozarts „Hochzeit des Figaro“ vom Spielplan des Burgtheaters verdrängte und bei den Damen der österreichischen Musik-Metropole für neue Modetrends sorgte.

Um politischen und gesellschaftlichen Zwängen zu entfliehen, sucht eine höfische Adelsgesellschaft Ruhe und Zerstreuung in der scheinbaren Idylle der Schäferwelt und bringt diese in Aufruhr. Prinz Giovanni und sein Höfling Corrado versuchen, die Bauernmädchen Lilla und Ghita für sich zu gewinnen. Dabei scheuen sie nicht davor zurück, dass beide bereits verlobt sind. Doch die selbstbewussten Freundinnen widerstehen den Annäherungsversuchen. Sie ziehen das arkadische Schäfer-Idyll dem prunkvollen Hofleben vor und werden schließlich als „Muster der Ehrbarkeit“ besungen!

Wie viele Musiktheater des damals international gefeierten Komponisten Martín y Soler basiert auch diese komische Oper auf einem Libretto von Lorenzo Da Ponte, der auch für Mozart die Vorlagen zu drei Musiktheatern lieferte: „Die Hochzeit des Figaro“ (1786), „Don Giovanni“ (1787) und „Così fan tutte“ (1790). Das mittlere dieser Werke wird oft mit Solers Dramma giocoso in Verbindung gebracht: Im zweiten Finale des „Don Giovanni“ erklingt ein musikalisches Zitat Solers, das Leporello mit den Worten „Bravi! Cosa rara!“ kommentiert. Mehr ist heute kaum bekannt und der Wiener Klassiker Solers ist im wahrsten Sinne des Wortes zu einer „seltenen Sache“ geworden. Doch selbst demjenigen, dem Martín y Solers Oper noch unbekannt ist, wird schnell bewusst, wie Ohrwurm-prädestiniert seine Musik ist. Sie ließ im 18. Jahrhundert sowohl die Herzen einfacher Menschen als auch der Oberschicht höherschlagen. Denn Soler kritisierte zwar die moralische Korruption des Ancien Régiem, kombinierte diese aber so geschickt mit galanter und eingängiger Musik, dass er einen internationalen Opern-Hit zu Papier brachte, der bis 1810 in 19 Ländern aufgeführt wurde; in Italien allein in 29 Städten. Nicht nur klanglich, sondern auch visuell ist mit diesem Werk ein lebendiger und mitreißender Abend garantiert.
Markus Lüpertz hat selbst den Himmel, die Wiesen, Blumen, Tiere und Menschen gemalt oder sie nach seinen Zeichnungen und Vorgaben umsetzen lassen. Die Gestalt des Bühnenbilds und der Kostüme haben ihn sogar zu weiteren Veröffentlichungen inspiriert: „Ich habe eine große Bilderserie gemalt, die ‚Arkadien‘ heißt, und ein Buch mit dem Titel ‚Arkadien‘ geschrieben. Ich empfinde die Kunst mehr oder weniger als eine Art Parallelwelt, die dann mit eigenen Leuten, mit eigenen Strichen, mit eigenen Farben belebt wird. Das ist der Auftrag des Malers: Die Welt zu zeigen oder das, was man sieht, in Frage zu stellen. Damit man begreift. Damit man mit Hilfe des Unrealen die Realität besser begreift. Das ist so ein Spiel.“ (Markus Lüpertz)

„Das ist der Auftrag des Malers: Die Welt zu zeigen oder das, was man sieht, in Frage zu stellen.“
Markus Lüpertz

 

Regisseur Andreas Baesler setzte diese gemalte Welt 2018 bereits am Theater Regensburg mal künstlich und überzeichnet, mal innerlich und gefühlvoll erfolgreich in Szene. Nun ist dieses fantasievoll gestaltete Schäferspiel auch in Meiningen zu sehen: ein bunt-skurriles Arkadien, eine Sehnsuchtswelt, die auch Ecken und Kanten hat.

Julia Terwald, Musiktheaterdramaturgin

 

Una cosa rara
Dramma giocoso in zwei Akten von Vicente Martín y Soler, Libretto von Lorenzo Da Ponte
Musikalische Leitung: Chin-Chao Lin • Regie: Andreas Baesler • Bühne, Kostüme: Markus Lüpertz • Bühne und Kostüme in Zusammenarbeit mit: Ruth Groß • Dramaturgie: Julia Terwald • mit: Emma McNairy, Monika Reinhard, Sara-Maria Saalmann; Tobias Glagau, Mykhailo Kushlyk, Johannes Mooser, Selcuk Hakan Tiraşoğlu, Tomasz Wija • Es spielt die Meininger Hofkapelle

Matinee: So, 19.05.2024, 11.15 Uhr – Foyer Großes Haus, Eintritt frei
Premieren: Fr,
31.05., 19.30 Uhr + So, 02.06., 18.00 Uhr
weiterer Termin: 23.06.2024
Wiederaufnahme: 11.09., 21.09., 20.10., 21.11.2024 (Vorverkauf ab 29.05.2024)

 

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