Staatstheater Meiningen
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Fidelio

Fidelio-Gastspiel der Kiewer Oper


Fidelio-Gastspiel der Kiewer Oper am Staatstheater Meiningen mit Künstlern aus der Ukraine, der Meininger Hofkapelle, Chormitgliedern des Staatstheaters Meiningen und dem Chor des Landestheaters Coburg   | 4. Mai 2022 Ein kultureller Brückenschlag als Plädoyer gegen den Krieg


„Geschichtsbildend sind nicht die Kriege, sondern die Kunst.“ Gerne würde man diesem Zitat von Gottfried Benn Glauben schenken, zögert aber angesichts der aktuellen Kriegslage in der Ukraine. Dem erdrückenden Gefühl der Machtlosigkeit zum Trotz möchte das Staatstheater Meiningen – nach einem großen Benefizkonzert mit Beethovens 9. Sinfonie im März – nun einen Schritt weitergehen und ukrainische Kunst auf die Bühne bringen, die in ihrem angestammten Theater nicht mehr gezeigt werden kann: Mit Unterstützung durch die ukrainische Botschaft Berlin zeigt das Staatstheater Meiningen am 4. Mai 2022 als Gastspiel eine Inszenierung von Beethovens „Fidelio“ aus Kiew. Premiere war am dortigen Київський муніципальний академічний театр опери та балету для дітей та юнацтва (Kyiv Municipal Academic Opera and Ballet) am 12. Februar 2022 – kurz vor Ausbruch des Krieges. Erarbeitet wurde die Inszenierung durch das freie Modern Music Theatre Kiev unter der Leitung und Regie von Andrey Maslakov.

Regisseur Andrey Maslakov verlegte die Handlung der Oper in ein KGB-Gefängnis zu Zeiten der stalinistischen Diktatur an deren Ende ein Machtwechsel in der UdSSR steht – inklusive humanitärem Gesamtversagen der Gesellschaft. Ursprünglich als Beitrag zum Beethoven-Jahr 2020 geplant, erscheint die Inszenierung heute als fast schon prophetische Vorwegnahme des 12 Tage später ausbrechenden Kriegszustands zwischen Russland und der Ukraine. Die Kernidee von Maslakovs Konzept, der neben der Regie auch für die Bühne verantwortlich zeichnet, orientiert sich an dem heutigen Wissensstand über Demokratien und Totalitarismus mitsamt ihrer widersprüchlichen Werte sowie dem Verständnis von Freiheit und Gleichheit. Die Freiheit von Tyrannei fungiert somit als ein überzeitlicher Topos, der sich auch in der Verortung in die UdSSR finden lässt.

Der ukrainische Bariton und Regisseur Andrey Maslakov wurde 1976 in Kiew geboren und studierte zunächst Gesang an der Kiewer Universität. 2001 wechselte er an die Hochschule für Musik in Augsburg, wo er 2009 seine Diplomprüfung mit Auszeichnung ablegte. Seit der Spielzeit 2010/11 ist er Mitglied der Ukrainischen Nationaloper Kiew, wo er im Bass-Bariton eingesetzt wird. Gastengagements führten ihn unter anderem auch nach Havanna, Eisenach und Erfurt. Seit 2020 ist Maslakov als Regisseur tätig und inszenierte u.a. „Die Zauberflöte“ und „Carmen“ in Kiew, sowie „Aida“ in Deir el-Bahari, Luxor.


Logistische Herausforderungen, Deutschunterricht und Umstellungen im Spielplan
Ein kurzfristig angesetztes Gastspiel, zumal aus einem Kriegsgebiet ist mit großen Herausforderungen verbunden. Allein der Transport des Bühnenbildes über mehrere Grenzen hinweg ist nur dank logistischer Meisterleistung und mit der Unterstützung durch leere Hilfskonvois (ab Rumänien) auf ihrem Rückweg nach Meiningen möglich. Im Meininger Spielplan wurde ein Sinfoniekonzert in die übernächste Saison verlegt und die Hofkapelle widmet die Proben entsprechend nicht mehr Mahler und Korngold, sondern Beethoven. Die ukrainischen Sänger:innen wiederum studieren aktuell ihre Dialoge auf Deutsch ein – in Kiew wurde zwar in deutscher Sprache gesungen, die Sprechtexte aber auf Ukrainisch dargeboten.

Bewährte Partnerschaften
Es wird in Ergänzung zu Mitgliedern des Meininger Opernchores der Chor des Landestheaters Coburg zu hören sein. Aktuell wird geprüft, ob der „Fidelio“ von Andrey Maslakow auch noch am Theater und Orchester Heidelberg gezeigt werden kann.

Wir würden uns freuen, Sie zu diesem außergewöhnlichen Gastspiel in Meiningen begrüßen zu dürfen!

Karten erhalten Sie an der Theaterkasse unter Tel. 03693-451 222 oder online.

Die am Gastspielabend gesammelten Spenden gehen an die Künstler:innen der Fidelio-Produktion.

Dirigent: GMD Philippe Bach, Sergei Golubnychyi

Regie, Bühne: Andrey Maslakov

Kostüme: Anastasiia Hnatiuk

Besetzung

Rocco: Oleksandr Kharlamov

Jaquino: Vitalii Ivanov

Pizzarro: Dmytro Kyrychek

Marzellina: Olha Fomichova

Leonore: Yuliia Alieksieieva

Don Fernando: Ievhen Malofeiev

Florestan: Sehii Androshchuk

Leonore Cover: Mariia Kononova

Florestan Cover: Dmytro Foshchanka


Chor des Landestheaters Coburg

Mitglieder des Chores des Staatstheaters Meiningen

Meininger Hofkapelle

Trailer