Logo Staatstheater Meiningen
Menü

Andreas Kriegenburg inszeniert Henrik Ibsens „Die Wildente“

Andreas Kriegenburg (c) Christina Iberl
© Christina Iberl
Andreas Kriegenburg (c) Christina Iberl

Nur Lebenslügen machen glücklich

Das hätte dem Herzog gefallen

Im Januar 1876 wollte Herzog Georg II. unbedingt, als Erster in Deutschland, Ibsens „Kronprätendenten“ auf die Bühne bringen. Das Gastspiel der Meininger in Berlin lieferte dann auch den feierlichen Eindruck von dem, was Ibsen zukünftig auf deutschen Bühnen erwarten würde: Sein Siegeszug war nicht mehr aufzuhalten.

Ibsen und Herzog Georg II. standen fortan im regen Austausch, dazu gehörte auch ein Besuch in der Sommerresidenz in Bad Liebenstein. Dennoch kam es erst neun Jahre später zur regelmäßigen Aufführung von Ibsens Werken in Meiningen: 1885 feierte die Inszenierung „Ein Puppenheim“ ihren überregionalen Erfolg, sogleich folgte „Peer Gynt“ mit der neuen Musik des dänischen Komponisten Lange-Müller. „Die Meininger“ ermöglichten schließlich dem vermeintlichen Skandalstück „Die Gespenster“ eine deutsche Uraufführung, denn bis dato traute sich kein Theater hierzulande, das Stück zu spielen, weil es in Norwegen verheerende Kritiken hagelte. Zu viele Tabubrüche hatte sich der Autor erlaubt: Inzest, die freie Liebe und Sterbehilfe wurden thematisiert. Doch Georg kam das gerade recht. Er war regierender Herzog und konnte selbst darüber verfügen, was in seinem Theater – ungeachtet der Moralisten im Land – auf die Bühne gebracht wurde. Allerdings musste die Premiere „verschenkt“ werden, denn keine einzige Karte wurde verkauft. Der Herzog sorgte dafür, dass das Haus voll war und der angereiste Autor wohlgemut. Jedoch das Gastspiel in Berlin wurde von der Zensur der preußischen Hauptstadt verboten. Auch das hielt den Herzog nicht davon ab, seinen Lieblingsautor weiterzuspielen. Schlussendlich inszenierte er „Die Wildente“ zweimal in Meiningen.
Rund 150 Jahre später wird kein Geringerer als Andreas Kriegenburg sich dieser Aufgabe annehmen. Seine letzte Inszenierung „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ wurde als „Inszenierung des Jahres“ vom Fördervereins des Staatstheaters Meiningen ausgezeichnet.

„Die Wildente“ zeigt einmal mehr, dass die menschlichen Möglichkeiten durch die Verhältnisse determiniert werden. Es gilt den nicht zu verleugnenden Zusammenhang zwischen Können und Wollen, Sein und Sollen in einer psychologischen Familienanalyse zu offenbaren: Nach jahrelanger Abstinenz kehrt Gregor Werle in seinen Heimatort zurück. Schon am selben Abend gerät er in einen Streit mit seinem Vater, einem reichen Bergwerks- und Waldbesitzer. Gregers wird durch die Konfrontation mit seinem Vater bewusst, dass dieser mitschuldig am Skandal der Firma war und auch dass der alte Ekdal für ihn ins Gefängnis ging.
Als Gregers realisiert, dass Ekdals Sohn Hjalmar mit Gina, dem ehemaligen Dienstmädchen der Werles, verheiratet ist, hat er einen Verdacht. Getrieben von seinem Wahrheitsanspruch quartiert er sich in die Wohnung seines Jugendfreundes Hjalmar ein. Das mühsam zusammengehaltene Lebenskonstrukt der Ekdals droht in sich zusammenzubrechen.

Katja Stoppa, Schauspieldramaturgin


„Die Wildente“
Drama von Henrik Ibsen / Deutsch von Hinrich Schmidt-Henkel
Regie, Bühne: Andreas Kriegenburg • Kostüme: Andrea Schraad • Dramaturgie: Katja Stoppa
mit: Noemi Clerc, Mia Antonia Dressler, Anja Lenßen; Gunnar Blume, Vivian Frey, Michael Jeske, Leonard Pfeiffer, Paul Maximilian Schulze, John Wesley Zielmann

Premiere: Fr., 15.05.2026, 19.30 Uhr – Großes Haus
Voraufführung: Do., 14.05.2026, 19.30 Uhr
weitere Termine: 22.05., 30.05., 31.05., 18.06., 26.06.2026
Einführungen je 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn
Matinee: So., 03.05.2026, 11.15 Uhr – Foyer Großes Haus, Eintritt frei

Tickets