Glitzer, High Heels und das wahre Ich: „The Legend of Georgia McBride“
Eine herzergreifend-schräge Komödie
Casey ist jung, pleite, der Vermieter klopft an die Tür und seine Frau Jo ist schwanger. Dann verliert er auch noch seinen Job als Elvis-Imitator in einer heruntergekommenen Bar in Panama City, Florida. Doch als Barbesitzer Eddie eine Drag-Show mit Miss Tracy Mills und ihrer Kollegin Rexy engagiert, um das Geschäft anzukurbeln, nimmt Caseys Leben eine unerwartete Wendung. Aus der Not heraus schlüpft er in High Heels und Pailletten – und wird zur schillernden Dragqueen Miss Georgia McBride. Casey traut sich zunächst nicht, seiner Freundin Jo von seinem erfolgreichen neuen Job als Dragqueen zu erzählen, und als sein Geheimnis auffliegt, wird sich zeigen, wie viel Substanz an Verständnis und Vertrauen ihre Beziehung hat.
Matthew López, geboren 1977 in Florida, ist einer der aufregendsten zeitgenössischen Dramatiker Amerikas. Aufgewachsen in einem konservativen Umfeld, fand er früh zur Kunst – zunächst als Schauspieler, dann als Autor. Sein epischer Zweiteiler „The Inheritance“ (Das Vermächtnis) gilt als moderner Klassiker und Antwort auf Tony Kushners „Angels in America“; dafür erhielt er den Tony Award und den Laurence Olivier Award. Mit „The Legend of Georgia McBride“, uraufgeführt 2014, beweist Lopez sein Gespür für charmante Unterhaltung mit Tiefgang. Die Idee zum Stück entstand aus Neugier: „Was, wenn ein heterosexueller Mann Dragqueen wird? Das führt zur nächsten wichtigen Frage: Warum? Und dann: Wer?“
Drag ist mehr als Glitzer und Federn – Drag ist Kunst, Protest und Überlebensstrategie zugleich. In den Worten der Dragqueen Rexy im Stück: „Drag ist keine bloße Verkleidung. Drag ist eine erhobene Faust in einem Pailletten-Handschuh.“ Die Wurzeln des Drag reichen bis ins antike Griechenland und das japanische Kabuki-Theater zurück. Seine moderne Geburtsstunde erlebte das Phänomen beim Stonewall-Aufstand 1969, als Dragqueens und Transpersonen an vorderster Front gegen Polizeiwillkür kämpften – und damit die moderne LGBTQ+-Bewegung auslösten.
Doch Drag ist auch zutiefst persönlich. Die Drag-Persona – eine bewusst konstruierte Kunstfigur – ist für viele Performer ein Schutzraum und Sprachrohr zugleich. Miss Tracy Mills bringt es im Stück auf den Punkt: „Eine Drag-Persona kannst du nicht mal so eben an- und ausziehen. So etwas zu entwickeln, dauert manchmal Jahre.“
Regisseur Yves Hinrichs betont den intimen Charakter dieser Komödie und die Herzlichkeit und Zärtlichkeit in der Entwicklung ihrer Figuren. „The Legend of Georgia McBride“ ist eine fabelhafte Komödie über Toleranz, Selbstakzeptanz und das, was eine Familie ausmacht. Mit Showeinlagen, Tanz, Gesang und jeder Menge Glitzer. Eine Komödie, die kein Auge trocken lässt – und gleichzeitig die Frage stellt: Wer bin ich wirklich, wenn ich alle Rollen ablege?
Dr. Bernhard F. Loges
Chefdramaturg
The Legend of Georgia McBride
Musikkomödie von Matthew López
Deutsch von Hannes Becker
Regie, Bühne: Yves Hinrichs • Kostüme: Charlotte Gindreau • Choreografie: Michael Tucker • Dramaturgie: Bernhard F. Loges
mit: Louise Debatin; Leonard Pfeiffer, Paul Maximilian Schulze, Erik Studte, John Wesley Zielmann
Premiere: Fr., 11.09.2026, 19.30 Uhr – Kammerspiele
weitere Termine: 15.09., 25.09., 03.10., 25.10., 15.11., 13.12., 31.12.2026 (15.00 und 19.30 Uhr); 30.01., 28.02.2027
Kostprobe: Do., 03.09.2026, 19.00 Uhr – Kammerspiele, Eintritt frei