Im Puppentheater läutet die Premiere der „Hochhausprinzessin“ den Frühling ein
Ein Erdbeerbeet im Teerkorsett
Im Puppentheater läutet die Premiere der „Hochhausprinzessin“ den Frühling ein
Welch bessere Zeit als Frühling, um einem alten Märchenklischee neues Leben einzuhauchen? Mit der „Hochhausprinzessin“ zeigt Betty Wirtz’ Puppeninszenierung eine sowohl selbst- als auch umweltbewusste Prinzessin aus der Hochhaussiedlung. Mit eigenem Stücktext nach einer Geschichte von Natasha Farrants „Von acht Prinzessinnen, die keinen Retter brauchen“. Premiere ist am 6. März 2026 im Rautenkranz für ein Publikum ab 6 Jahren.
Die Gute Fee steht vor einer Riesenaufgabe. Als Patin einer künftigen Prinzessin trägt das Königspaar ihr auf, aus ihrer Tochter eine „fabelhafte“ Prinzessin zu machen. Aber was soll das heißen, eine „fabelhafte Prinzessin“? Folgt man der klassischen Benimmlektüre für angehende Patenfeen – beziehungsweise dem Rat des Zauberspiegels an der Wand –, ist die Sache klar. Ein braves Lächeln hier und da, stets gepflegte Fingernägel, das Krönchen nicht vergessen. Fertig ist die Thronerbin. Aber reicht das wirklich aus, um „fabelhaft“ zu sein?
Eines weiß die Gute Fee zumindest: Der Zauberspiegel greift gerne mal auf etwas angestaubtes Wissen zurück. Aber nicht jeder Staub lässt sich als Feenstaub verkaufen. Also schickt die Gute Fee den Spiegel selbst auf eine Reise, um herauszufinden, was eine fabelhafte Prinzessin so fabelhaft macht. Aber der Spiegel trifft nicht eine Prinzessin. Er trifft Prinzessin. Prinzessin lebt in einem hohen Turm, ist stets freundlich, trägt wunderschöne Kleider und hat immer saubere Fingernägel. Zwar muss der Turm eher als Hochhaus bezeichnet werden. Auch ihre Outfits näht sich Prinzessin aus Altkleidern selbst zusammen. Außerdem kann sie ziemlich rechthaberisch sein. Aber der Teil mit den Fingernägeln stimmt genau! Sie hat zumindest welche. Die braucht sie auch, wenn sie im Müll nach Material und Stoffen sucht. Denn nur die getragenen Kleider tragen Geschichten in sich. An eine dieser Geschichten erinnert sie der Morgenmantel, den sie in einem Container findet. Der gehörte einmal Horst, dem verstorbenen Ehemann von Oma Lisbeth. Sie hat Prinzessin das Nähen beigebracht. Aber seit dem Tod ihres Mannes steht sie nur noch traurig am Fenster. Das muss Prinzessin ändern. Um Oma Lisbeth ihr verlorenes Lächeln zurückzuzaubern, verwandelt sie, gemeinsam mit ihren Freunden Kati und Karim, das graue Ödland vor dem Plattenbau in einen blühenden Gemeinschaftsgarten. Und natürlich legt sie einfach los. Ohne den Stadtrat um Erlaubnis zu fragen.
Was Prinzessin da tut, bezeichnet man heute als „Guerilla Gardening“. Also das heimliche Bepflanzen ungenutzter Erdflächen in Großstädten, auch ohne Genehmigung, um Umweltschutz und Lebensqualität in die eigene Hand zu nehmen. Zum Beispiel können Gras und Blumen auf der Baumscheibe die Erde auflockern und so den Wurzeln helfen, Regenwasser aufzunehmen. „Guerilla Gardening“ verbreitet sich auch in Deutschland, denn schlechte Luft und Monotonie sind vielerorts noch ein Problem im Stadtbild. Doch obwohl solche Aktionen nützlich sind und harmlos wirken, ist die Aussaat im öffentlichen Raum ohne vorige Anmeldung illegal.
Auch Prinzessins Garten soll schließlich aus dem gleichen Grund verschwinden. Als der Stadtrat ankündigt, das ungebetene Erdbeerfeld, den Stolz von Oma Lisbeth, zugunsten neuer Parkplätze zu betonieren, stellt sich Prinzessin ihm entgegen. Dabei helfen ihr nicht nur ihre Freunde, sondern auch eine Straßenpianistin, die mehr zu sein scheint, als sie vorgibt. Und bei all dem sieht ja noch der Zauberspiegel zu, der seiner guten Freundin Fee noch eine Antwort schuldet.
Henning Bakker, Dramaturg Junges Staatstheater
„Die Hochhausprinzessin“
Puppentheater nach dem Buch „Von acht Prinzessinnen, die keinen Retter brauchen“ von Natasha Farrant
Uraufführung, ab 6 Jahren
Regie, Puppenbau: Betty Wirtz • Ausstattung: Kora Tscherning • Komposition: Christian Claas • Dramaturgie: Henning Bakker • Puppenspiel: Maria A. Albu, Sebastian Putz
Premiere: Fr, 06.03.2026, 10.00 Uhr – Rautenkranz
weitere Termine: 07.03., 21.03., 22.03., 23.03., 31.03., 01.04., 04.04., 05.05., 06.05.2026