Markus Lüpertz inszeniert Richard Wagners Weltendrama „Rheingold“
Götter, Riesen und Zwerge
Markus Lüpertz inszeniert Richard Wagners mythologisches Weltendrama „Rheingold“
„Das Rheingold“ ist ein spezielles Musiktheater-Werk, das Richard Wagner selbst „Vorabend“ zu seinem gigantischen Musikdrama „Der Ring des Nibelungen“ nannte. Er konzipierte 1852 im Züricher Exil in Stabreimen die komplette Dichtung der Tetralogie mit den weiteren Teilen „Die Walküre“, „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ und dem wörtlichen Untertitel „Bühnenfestspiel für drei Tage und einen Vorabend“. Die Musik hingegen entstand in einem Zeitraum von fast 25 Jahren. Da der sogenannte „Vorabend“ bereits wesentliche Handlungsstränge und musikalische Motive des ganzen „Rings“ enthält, ergeben auch Aufführungen des „Rheingold“ ohne die folgende Werkteile Sinn, was auch am Staatstheater Meiningen in der Regie sowie im Bühnen- und Kostümbild von Markus Lüpertz erfolgt.
Allein über das Vorspiel ließen sich umfangreiche Abhandlungen schreiben. Ein langsam anschwellender Es-Dur-Akkord, zunächst nur von Kontrabässen und Fagotten gespielt, bringt in der Tiefe des Rheins einen Goldschatz zum Strahlen. Die Schönheit des Naturschauspiels mit den fließenden Wogen des Flusses zeigt eine Welt in ihrer natürlichen Ordnung. Wir sehen die Töchter des Rheins, die das Gold bewachen sollen, in ihrem unbekümmerten Spiel. Doch diese Art paradiesischen Urzustands währt nicht lange. Aus dem tiefen Es-Dur-Klang erhebt sich ein mythischer Kosmos aus Göttern, Riesen und Zwergen. Deren Aufstieg und Untergang wird uns in zweieinhalb pausenlosen Stunden mit großer Eindringlichkeit vor Augen und Ohren geführt.
Der Raub des Goldes
Alberich, der führende Kopf des Zwergen-Geschlechts der Nibelungen, fühlt sich zu den anmutigen Lichtgestalten der Rheintöchter hingezogen und versucht, eine von ihnen als Geliebte zu gewinnen. Doch die Mädchen verlachen den hässlichen und plumpen Zwerg. Arglos erzählen sie ihm von der Bedeutung des Goldes: Wer der Liebe entsagt, vermag aus dem Gold einen Ring zu schmieden, der ihn zum Herrn der Welt macht. Die Aussicht auf Macht und Besitz reizt den Nibelung mehr als die Liebe, woraufhin er den Rheintöchtern das sagenumwobene Gold raubt.
Von den Tiefen des Rheins verlagert sich die Handlung auf die Höhe der Berge, dem Wohnsitz der Götter. Wotan hat sich als sichtbares Zeichen seiner Herrschaft von den Riesen Fafner und Fasolt die steinerne Festung Walhall, Manifestation seiner Macht, bauen lassen. Doch die keineswegs Uneigennützigen fordern als Lohn für ihre Mühen Freia, die Göttin der Verjüngung, für sich. Ohne Freia verlieren die Götter den Glanz ihrer ewigen Jugend.
Mit Hilfe des Feuergottes Loge versucht Wotan, diesem Vertrag zu entrinnen. Der listige Loge hat erfahren, wie Alberich aus dem gestohlenen Gold einen Ring geschmiedet und damit die Macht über die Welt erobert hat. Diesen Ring soll Wotan an sich reißen und nach Loges Plan den Riesen als Ersatz für Freia anbieten. Als es Loge und Wotan in Nibelheim gelingt, Alberich gefangen zu setzen und ihm den Ring zu entwenden, erliegt auch Wotan der Verführung des Ringes und will ihn zunächst nicht abgeben. Alberich aber verflucht den Ring: Unglück soll seinem Besitzer widerfahren – eine Weissagung, die sich bald erfüllen wird.
Weltendrama mit Leitmotivtechnik
Aus dem konfliktreichen Geschehen entwickelt sich ein wahres Weltendrama von gewaltigen Ausmaßen und universeller Bedeutung. Im „Rheingold“ tritt das Oben und Unten einer mythologischen Welt in Erscheinung und über allem steht Wagners Warnung vor der Gefahr des materiellen Besitzes.
Markus Lüpertz, einer der bekanntesten zeitgenössischen Maler Deutschlands, arbeitet nach „La Bohème“ und „Una cosa rara“ zum dritten Mal am Staatstheater Meiningen.
Musikalisch erreicht Wagner im „Rheingold“ mit seiner Leitmotivkunst einen Höhepunkt. Nicht weniger als 30 Leitmotive werden bereits eingeführt. Sie skizzieren einerseits die Schauplätze aus der nordischen Sagenwelt (Rhein, Nibelungenhöhle und Bergeshöhe), andererseits sind sie in klangschwerer Architektonik kunstvoll mit den dramatischen Vorgängen und seelischen Regungen verwoben. Am Schluss resümiert Wagners gewaltige Orchestersprache beim Einzug der Götter in Walhall die musikalische Tragödie – sicherlich einer der Höhepunkte des Abends.
Matthias Heilmann, Musiktheaterdramaturg
„Das Rheingold“
Vorabend zum Bühnenfestspiel „Der Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner
Dichtung vom Komponisten
In deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung: GMD Killian Farrell
Regie, Bühne, Kostüme: Markus Lüpertz • persönliche Regieassistenz: Ulduz Ashraf Gandomi • Umsetzung Kostüme, Ausstattungsassistenz: Almut Echtler • Dramaturgie: Matthias Heilmann
mit: Abongile Fumba/Marianne Schechtel, Hannah Gries, Lubov Karetnikova, Monika Reinhard, Julia Rutigliano/Marianne Schechtel, Tamta Tarielashvili/Abongile Fumba; Boaz Daniel, Garrett Evers, Tobias Glagau, John Heuzenroeder, Mark Hightower/Johannes Mooser, Keith Klein, David Steffens, Selcuk Hakan Tiraşoğlu • Es spielt die Meininger Hofkapelle.
Matinee: So, 15.03.2026, 11.15 Uhr – Foyer Großes Haus, Eintritt frei
Premiere: Fr, 27.03.2026, 19.30 Uhr – Großes Haus
Termine: 05.04., 19.04., 09.05., 25.05.2026
Einführungen je 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Foyer
Tipp: Diese Oper wird in der Spielzeit 2026/27 wieder in den Spielplan aufgenommen.