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Was waren das für Zeiten! Puppentheaterdirektorin Maria C. Zoppeck erinnert sich.

Maria C. Zoppeck
© Jörg Schmidt
Maria C. Zoppeck

Die langjährige Meininger Puppentheater-Direktorin Maria C. Zoppeck erinnert sich

Es war im Herbst 1986: 16 theaterbegeisterte junge Menschen begannen unter der Intendanz von Jürgen Juhnke und der Puppentheaterdirektion des stellvertretenden Intendanten Rolf Thieme ihre Arbeit. In der ersten Spielzeit entstanden drei Inszenierungen. Die erste, Goethes „„Faust“, wurde im Meininger Volkshaus gezeigt. Da die Sparte keine eigene Spielstätte hatte, musste sie ständig neue Orte zum Proben und Spielen finden. Gearbeitet wurde unter anderem in der Wolfsschlucht, in der Strupp’schen Villa, im Marstall und im Langen Bau in Dreißigacker.

Die Anfangsjahre verlangten viel Organisation und Improvisation. Rolf Thieme hatte zwei Zirkuswagen organisiert, mit denen die Künstler zu ihren Auftrittsorten gelangen konnten. Dabei halfen Traktoren der umliegenden Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften - gerade in der Erntezeit war dies eine logistische Meisterleistung. 

Von Beginn an spielten wir für alle Altersgruppen. Die Pflege des Märchenbrauchtums lag uns allen am Herzen und so stand regelmäßig die Inszenierung eines klassischen Märchens auf dem Spielplan. Diese Tradition und die „„Meininger Märchentage“ halten die Freude an den überlieferten Geschichten bis heute lebendig. 

Von 1987 bis 2020 hatte ich das Glück und die Freude, diese Sparte zu leiten. Ich durfte gemeinsam mit dem Ensemble künstlerische Akzente setzen. Mit den von Intendant Ulrich Burkhardt erkämpften neuen Gebäuden verbesserten sich schließlich auch unsere Arbeitsbedingungen. Vieles entstand in Teamarbeit. Neben rund dreißig Gast-Ausstattern bauten auch die Spieler ihre Puppen und Bühnenbilder selbst. Kreativität war nicht nur auf der Bühne gefragt, sondern ebenso in der Werkstatt und bei der Organisation unserer Gastspiele. Anfang der Neunzigerjahre kauften wir sogar mit privatem Geld Geld einen Kleinbus, um unsere Existenz und die Gastspieltätigkeiten abzusichern. 

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Inszenierung „„Der kleine König, der ein Kind kriegen musste und andere neue Märchen“ von Stefan Heym. Die Proben fanden 1989 noch unter sozialistischen Verhältnissen in der DDR statt, die erfolgreiche Premiere im turbulenten Sommer vor dem Mauerfall. Ein Stück dieses kritischen Schriftstellers auf die Bühne zu bringen stand unter starker Beobachtung der politisch Verantwortlichen. 

Nach der Wiedervereinigung führte unser Weg 1992 mit „„Rumpelstilzchen“ zur Weltausstellung nach Sevilla. Schon die Anreise war ein Abenteuer: drei Tage Busfahrt mit zwei Übernachtungen. Die Puppen hatte ich unter meinem Sitz verstaut. Während wir uns im Bus durch den extrem heißen Sommer nach Spanien kämpften, durften die Kollegen aus Erfurt ins Flugzeug steigen. 

1993 wurde das Meininger Puppentheater als erstes Theater der ehemaligen DDR in den „„Verband Deutscher Puppentheater“ aufgenommen; die Popularität der Truppe wuchs. Der vieldiskutierte Comic „„Kondom des Grauens“ von Ralf König kam 1995 auf die Bühne. Wir gastierten drei Wochen in Wien zum Festival „„Wien ist andersrum“ und später dann im ganzen deutschsprachigen Raum. 

Im Herbst 1998 begann die Erfolgsgeschichte des „„Standhaften Zinnsoldanten“ mit Stefan Wey, Jeffrey Burrell und einer reisefreudigen Crew. Ein einschneidendes Erlebnis war die dreiwöchige Gastspielreise des „„Standhaften Zinnsoldaten“ durch die USA. Die Kollegen waren am Tag vor den Anschlägen vom 11. September 2001 aufgebrochen. Was als Gastspielreise mit Landung in Portland begonnen hatte, stand plötzlich im Schatten der Ereignisse, die die Welt erschütterten. Nach zwei Tagen dann der erlösende Anruf von Susanne Tenner-Ketzer: Alle waren wohlbehalten angekommen und spielten Benefiz-Vorstellungen für die New Yorker Feuerwehr. 

Mit der Inszenierung „„Der kleine Hobbit“ betraten wir 2012 Neuland. Dafür erwarben wir als erstes deutsches Puppentheater die Aufführungsrechte aus den USA. 

Besonders gern erinnere ich mich auch an die spartenübergreifende Zusammenarbeit mit der Meininger Hofkapelle seit über 30 Jahren, unter anderem mit Ekkehard Hauenstein in „„Die Liebe des Pan“, „„Papagenos Zauberflöte“ und „„Aschenputtel“. 

40 Jahre Puppenspiel in Meiningen stehen für 40 Jahre künstlerische Arbeit, Begegnungen, Veränderungen und gemeinsames Engagement. Sie erzählen von Menschen wie Falk P. Ulke und Sebastian Putz, die mit Leidenschaft und Kreativität Geschichten zum Leben erwecken und ihr Publikum immer wieder aufs Neue begeistern. Nun feiern wir dieses Jubiläum mit Gastspielen und eigenen Inszenierungen. Lassen Sie sich von den Aufführungen mitreißen, die die Vielfalt des Genres wiederspiegeln, und feiern Sie mit uns das Puppentheater an diesem traditionsreichen Mehrspartenhaus. 

Maria C. Zoppeck
Direktorin des Puppentheaters von 1987 bis 2020

Dieser Artikel ist in der Theaterzeitung „spektakel“ erschienen, Ausgabe November 2026.