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Die Dreigroschenoper___P 24.03.2023 | Jan Wenglarz, Stefan Willi Wang, Emma Suthe, Marcus Chiwaeze, Yannick Fischer, Leo Goldberg

Die Dreigroschenoper

Theaterstück von Bertolt Brecht
nach John Gays „The Beggar’s Opera“ mit der Musik von Kurt Weill
unter Mitarbeit von Elisabeth Hauptmann


„Und der Haifisch, der hat Zähne …“: Mit ihren unverwüstlichen Songs wurde die „Dreigroschenoper“ zum Inbegriff der wilden Zwanzigerjahre und zum Welterfolg. Dass sich hinter dem schlichten Plot um den Bandenkrieg zwischen Bettlerkönig Peachum und seinem Gegenspieler Mackie Messer eine beißende Kapitalismuskritik verbirgt, ging schon im Uraufführungsjahr 1928 unter. Die Schilderung des Prekariat empfand Brechts Dichterkollege Tucholsky als „sorgsam panierte Rohheit“, und das bürgerliche Publikum lehnte sich beruhigt zurück, wenn es hieß: „Doch die Verhältnisse, die sind nicht so“, und blendete die drohende Weltwirtschaftskrise, auf die da angespielt wurde, kurzerhand aus.

Und heute? Haifisch- und Raubtierkapitalismus sind keineswegs ausgerottet, und Brechts Vorstellung von einer gerechteren Gesellschaft ist noch immer eine Utopie. Die Darstellung des verzweifelt nach Sinn suchenden Menschen in einer immer brutaleren Welt wirkt erschreckend aktuell. Interessanterweise begehrt in Brechts Stück eine neue Generation von Frauen, namentlich Polly, Lucy und die Spelunken-Jenny, gegen das tradierte Bild von Männlichkeit auf. Sie demaskieren die hohle Patriarchen-Attitüde von Peachum und Mackie. Sie wollen nicht mehr nur als „Ware“ betrachtet werden. Und genau da liegt die Modernität.

Regie: Georg Schmiedleitner

Musikalische Leitung: Bettina Ostermeier

Bühne: Stefan Brandtmayr

Kostüme: Cornelia Kraske

Dramaturgie: Olaf Roth

Besetzung

(28.04.2023, 19:30)

Jonathan Peachum: Michael Jeske

Celia Peachum, seine Frau: Christine Zart

Polly Peachum, seine Tochter: Emma Suthe

Macheath, genannt Mackie Messer: Leo Goldberg

Brown, oberster Polizeichef von London: Vivian Frey

Lucy, seine Tochter: Carmen Kirschner

Die Spelunken-Jenny: Anja Lenßen

Moritatensänger/Filch/Säge-Robert: Yannick Fischer

Münz-Matthias: Stefan Willi Wang

Hakenfinger-Jakob: Jan Wenglarz

Pastor Kimball/Smith: Renatus Scheibe †


Statisterie des Staatstheaters Meiningen

Meininger Hofkapelle

Trailer

Pressestimmen

"In Meiningen hat der Berichterstatter jetzt die wohl zehnte Dreigroschenoper seines Lebens gesehen, sowie die bislang mit Abstand beste. Nicht nur wird hier sicht- und hörbar, dass Regisseur Georg Schmiedleitner und die Musikalische Leiterin Bettina Ostermeier viel Wert auf ganzheitliche Liedgestaltung gelegt haben müssen: in Stimmen, Haltungen sowie kleinen Choreographien. Ein jeder im – der Musikalität ohnehin zugeneigten – Ensemble darf dabei seinen Charakter zur Geltung bringen."

"Schmiedleitners Inszenierung lädt die „Dreigroschenoper“ nicht zusätzlich auf, zeichnet sie nur kräftig, insbesondere im Mienenspiel. Erst kommen sozusagen die Fressen, dann die Moral des Stückes. Insbesondere Michael Jeskes Gesicht knetet den gewissenlosen Bettlerkönig Peachum in alle Formen und Farben. Doch ist dies in erster Linie ein Abend der Frauen."

"Das ist eine maßgeschneiderte „Dreigroschenoper“, keine von der Stange."

Thüringer Allgemeine, Michael Helbing, 27.03.2023

 

"Weil Georg Schmiedleitner dem Versuch widersteht, die Skandälchen der modernen Zeit – von Crédit Suisse bis Wire Card – bedeutungsschwanger auf der Bühne zu verwursteln, wird die universale Gültigkeit der Brecht’schen Ergüsse umso deutlicher."

"Alles ist hier mächtig überzeichnet: Die Figuren wie die Frisuren, die Klamotten (Cornelia Kraske) und gleich gar das Bühnenbild – im Zentrum ein umklappbarer Comic-Totenkopf mit Euro-Zeichen als Augenklappen – da ist dem Bühnenbildner (Stefan Brandtmayr) doch tatsächlich etwas eingefallen, das nicht nach biederen Zwanzigern aussieht und auch nicht nach moderner Soho-Skyline. Es bleibt zeitlos – und damit allgemeingültig."

"Leo Goldberg – der gerade den Burkhardt-Preis der Meininger Theaterfreunde erhalten hat – stellt einen hinreißenden Macheath auf die Bühne. Einen, der sich vor allem mit seinen Blicken zeichnet – und mit wenigen, lässigen Handbewegungen. Michael Jeske steigert sich derart gewaltig in die Rolle des Bettlerkönigs – mit Gestus und Tonfall, den das Meininger Publikum so noch gar nicht zu kennen glaubte. Und Schmiedleitner hebt den Text aufs Tablett, lässt ihn an den entscheidenen Stellen der Balladen klar und deutlich vortragen."

"Es ist eine „Dreigroschenoper“, bei der vieles passt – vor allem aber Georg Schmiedleitners Personenregie. Bei der Musik von der achtköpfigen Band schmissig aus dem halbtiefen Graben klingt.Auf der Meininger Bühne beweist das Stück zwischen Schauspiel, Oper und Revue seine Gültigkeit ohne aufgesetzte Aktualität."

Meininger Tageblatt, Peter Lauterbach, 27.03.2023

 

"Multi-Instrumentalistin Bettina Ostermeier und ihre Group sind die eigentlichen Stars des Abends. Sie sind es, die das gesamte Geschehen durch eine hochkarätige und fesselnde Performance in Klang und Szene setzen. Hier wird keine Nummernrevue runtergespielt, sondern das, was sichtbar und unsichtbar ist, raffiniert vertont."

Der Opernfreund, Inge Kutsche, 27.03.2023