Die Perser
Tragödie von Aischylos
Übersetzung von Durs Grünbein
„Die Perser“ von Aischylos ist das älteste erhaltene Drama, mit ihm beginnt die europäische Literatur- und Theatergeschichte. Ein Antikriegsstück, universell und – erschreckenderweise – zeitlos. Großkönig Xerxes will Griechenland erobern. Euphorisch und kriegsbegeistert zieht die gewaltige Armee in die Schlacht. Doch den zahlenmäßig weit unterlegenen Griechen gelingt ein Täuschungsmanöver, Xerxes erlebt eine schwere Niederlage in der Seeschlacht von Salamis und kehrt geschlagen heim.
Aischylos hätte aus diesem Stück Zeitgeschichte einen Triumph für das Selbstverständnis der Griechen machen können. Er aber setzt die Königinmutter Atossa ins Zentrum der Handlung. Im Gespräch mit dem Chor geht es um Trauer, Schmerz und Verzweiflung. Nahezu 300.000 Tote hat der Krieg gefordert: Die Jugend eines ganzen Volkes wurde durch die Hybris eines einzigen Mannes niedergemetzelt, eine Generation ausgelöscht. Sprachgewaltig einzigartig ist der Botenbericht aus dem Krieg, den der Dresdner Lyriker Durs Grünbein kongenial ins Deutsche überträgt.
Indem Aischylos den Größenwahn und Hochmut des Einzelnen, der eine ganze Nation zu Fall bringt, und die daraus resultierende Erfahrung des Schmerzes beschreibt, appelliert er an das Mitgefühl der Menschen und zeigt, dass ein moderner, humaner Staat nur aus Mitmenschlichkeit und Empathie hervorgehen kann.
Regie: Sandra Bezler
Musikalische Leitung: Paul-Jakob Dinkelacker
Bühne, Kostüme: Diana Berndt
Choreografie: Oska M. Borcherding
Dramaturgie: Deborah Ziegler
Tagesbesetzung
(04.01.2026, 19:00)Chor: Matthis Heinrich, Ensemble
Atossa, Königsmutter: Anja Lenßen, Mia Antonia Dressler, Louise Debatin
Xerxes: Louise Debatin
Euro:pa/Dareios' Geist: Christine Zart
Ein Bote: Paul Maximilian Schulze, Rico Strempel
Der Bademeister/Live-Musiker: Paul-Jakob Dinkelacker
Termine
Pressestimmen
Das Anti-Kriegs-Stück ist das älteste erhaltene Drama der Weltliteratur. Sandra Bezler inszeniert es in Meiningen auf spektakuläre Weise.
Wenn man sieht, wie sie [die Darsteller] sich mit Haut und Haar und Herz und Hirn, mit Schweiß und Tränen in die Charaktere versetzen, ja, in atemberaubender Choreografie von Oska M. Borcherding förmlich in sie hineinkriechen. Wenn man spürt, wie sich ihre Schauspielkunst um die Seelen der Figuren windet, wie sich Widerstrebendes vereint und Vereintes auseinanderbricht, dann erkennt man die zeitlose Tragödie, die in dieser Geschichte liegt: Wie (…) Schmerz und Trauer hinausgebrüllt werden in die Welt (…) Durch die Jahrhunderte, durch die Jahrtausende.
Main-Post, Siggi Seuß, 18.11.2025
Die antike Textvorlage lässt sich von (der) körperbetonten Emotionalität in Rhythmus und Tonalität tragen, wird durch sie gedeutet. So facettenreich interpretiert, von den Schauspielern klarst prononciert, unterstützt durch die zeitlos elegante Übersetzung von Durs Grünbein und die akustischen Akzentuierungen durch die Live-Percussion, wird jedes Wort zur Kostbarkeit – geborgen aus einer weit entfernten Zeit, mutig von jedem Staub befreit.
Wie in den Wahnsinn getrieben durch das Erlebte, brüllt der doppelt besetzte Bote (Paul Maximilian Schulze und Rico Strempel) der Königsmutter Atossa Worte und Satzfetzen entgegen. (…)
Sehr geheimnisvoll bleibt die Interpretation (der Königsmutter) durch Anja Lenßen, Mia Antonia Dressler und Louise Debatin. Manchmal gleichen sie mit ihren sechs Armen, die sich in sanften Wellen bewegen, mit ihren sechs ringenden Händen einer indischen Gottheit. Dann wieder zerfallen sie in drei Gestalten, die wie aus Ferne und Distanz dem Geschehen folgen. Langsam, wie schwebend sprechen sie ihren Text, unglaublich klar …
Thüringer Allgemeine, Alexandra Abel, 18.11.2025
Die Regie räumt der bildgewaltigen Sprache großen Raum ein, unterstützt ihre Wirkung mit rhythmisch ausgetüftelt, live gespielten Klängen (Paul-Jakob Dinkelacker): mal quietscht es, mal ertönt ein dumpfer Schlag, mal ein unheilvolles Donnern.
In Erinnerung bleibt Mattis Heinrich als rührend ernsthafter Chor, der ganz auf sich allein zurückgefallen ist. Als Anwalt der Wahrheit scheut er es nicht, den Obrigkeiten gegenüber unangenehme Tatsachen auszusprechen: Auch wenn er dabei am ganzen Leib zittert, der Schweiß ihm vor Aufregung von der Stirn tropft.
Xerxes' Mutter Atossa wird von drei Schauspielerinnen (Anja Lenßen, Mia Antonia Dressler, Louise Debatin) gleichzeitig gespielt. Figürlich entsteht ein sich katzenhaft bewegendes, mehrköpfiges, eigentümliches Wesen.
Nachtkritik, Marlene Drexler, 16.11.2025
Wenn das Theater seine Kunst beweist! Ein klar definierter und präziser künstlerischer Stil, der das Talent der Schauspieler hervorhebt. Ein anspruchsvolles Spiel, eine Herausforderung, die auf hohem Niveau gemeistert wird. Es ist sehr beeindruckend! Man wird förmlich mitgerissen. Eine zeitgenössische Sicht auf ein antikes Thema, die es umso aktueller macht. Bravo!
Zuschauerstimme Nachtkritik