Fabian oder Der Gang vor die Hunde
von Erich Kästner, für die Bühne bearbeitet von Marten Straßenberg
„Ich wollte vor dem Abgrund warnen, dem sich Deutschland und damit Europa näherten! Ich wollte mit allen Mitteln in letzter Minute Gehör und Besinnung erzwingen“, schrieb Erich Kästner über seinen Roman „Fabian“. Der Rausch der 1920er-Jahre ist vorbei, die Republik taumelt ihrem Ende entgegen und die Machtübernahme der Nationalsozialisten ist zum Greifen nahe. Um der trüben Realität des Alltags zu entkommen, stürzen sich die Menschen in das Berliner Nachtleben. Mittendrin Fabian, Germanistikstudent und selbst ernannter Moralist. Zusammen mit seinem Freund Labude zieht er durch die Bars und Clubs und tagsüber verdient er sein Geld als schnöder Werbetexter. Doch schon bald nimmt sein Leben eine dramatische Wendung. Auch die Liebe zu Cornelia ist nur ein kurzes Aufflackern von Hoffnung: Er wird arbeitslos, Cornelia verlässt ihn und sein Freund Labude begeht Selbstmord.
Fabian muss in Zeiten der Unmoral zwangsläufig an seinen moralischen Ansprüchen scheitern. Kein Wunder also, dass die heute bekannte unzensierte Version des Romans den Titel „Fabian“ oder der Gang vor die Hunde“ trägt. Geschrieben 1931 in nur wenigen Monaten, musste der Autor zwei Jahre später mitansehen, wie sein Roman bei der Bücherverbrennung in Flammen aufging. Bis heute gilt „Fabian“ als Schlüsselroman für das Ende der Weimarer Republik.
Hinweis für Ihren Theaterbesuch: Zu Beginn dieser Inszenierung kommt stark frequentiertes, flackerndes Neonlicht zum Einsatz.
Besetzung
(Um die Besetzung eines bestimmten Tages zu sehen, wählen Sie bitte unten einen Termin.)Fabian: Florian Graf
Kellner, Labude, Radiomann, Geheimrat: Leonard Pfeiffer
Frau Sommer, Die Andere, Ein Nazi, Cornelia: Noemi Clerc
Frau Moll, Mutter, Reiter, Beamter, Frau Labude: Evelyn Fuchs
Herr Moll, Wirtin Holfeld, Direktor Breitkopf, Selow, Beamter, Herr Labude: Erik Studte
Fischer, Die Eine, Ein Kommunist, Culp, Beamter, Eine Frau, Polizist, Weckherlin: Rico Strempel
Stimmen (Der Chor der Toten): Ensemble
Termine
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Pressestimmen
Mit Erich Kästners „Fabian“ gelingt an Meiningens Kammerspielen ein großer Wurf. (...) Fünf Schauspieler für fast dreißig Figuren. Die kommen selten so daher, wie sie im Buche stehen. Und Frauen übernehmen Männer-, Männer Frauenrollen. Markiert wird nichts, erspielt wird alles. In Summe fangen sie damit Ton, Tempo und Temperatur des Kästner-Romans auf ihre eigene Art glänzend ein.
Florian Graf spielt ihn so, als habe auch er es mit wechselnden Rollen und gar Rollen Fächern zu tun. Da steht einer in der Welt und begreift sie nicht; da steht einer auf der Bühne und ist nicht recht zu greifen.
Grafs Fabian findet in Leonard Pfeiffers weltschmerzsattem Freund Labude und Noemi Clercs nüchtern liebender Cornelia aus dem Moment heraus agierende Spielpartner. Evelyn Fuchs, Erik Studte und Rico Strempel vervollständigen das Vexierbild einer wie mit verbundenen Augen zwischen Abgründen balancierenden Gesellschaft.
Thüringer Allgemeine, Michael Helbing, 18.03.2026
Das Team um den in Meiningen geborenen Regisseur Marten Straßenberg (28) und Ausstatterin Juliane Längin bringt die Verzweiflung eines „Moralisten auf verlorenem Posten“ (Kästner) in einer überraschenden Interpretation auf die Bühne. Der Spielraum wird zum „Warteraum der Gegenwart“, einem Versuchslabor nicht ganz unähnlich.
Zu Florian Graf als Fabian gesellen sich Leonhard Pfeiffer, Noemi Clerc, Evelyn Fuchs, Erik Studte und Rico Strempel. Sie mimen 27 Menschen, denen der tragische Antiheld Fabian im Laufe der Handlung begegnet: seinem Freund, der Mutter, der Geliebten, der Hauswirtin, dem Chef, Kollegen, Künstlern, Passanten etc. Und die Untoten versammeln sich, wenn es gilt, sich zu erklären zum „Chor der Toten“.
Alle anderen Wesen erscheinen so flüchtig, als wären sie Tropfen im Strom der Zeit, der alle mit sich reißt, und dem auch Fabian zum Opfer fällt. Und zwar – Ironie der Geschichte – in dem Moment, in dem er dem Leitspruch seines Erschaffers Kästner folgt: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“
Main-Post, Siggi Seuß, 30.03.2026